In Puerto Natales haben wir intensiv darüber diskutiert, wohin uns unsere Reise noch führen soll. Wollen wir weiter durch das windige Feuerland hinunter nach Ushuaia, oder doch lieber im wärmeren Norden Richtung Santiago de Chile fahren? Wir haben uns dann für Tierra del Fuego entschieden. Und es hat sich gelohnt…

Da der Wetterbericht für die nächsten Tage starker Wind und Regen voraussagte, nahmen wir den Bus von Puerto Natales nach Punta Arenas. Das verladen der Velos verlief recht unkompliziert. Die Fahrt nach Punta Arena dauerte gut 3 Stunden. Bei dem starken Wind waren wir froh, nicht mit dem Velo fahren zu müssen.

Punta Arenas ist die südlichste grosse Stadt in Chile. Das Wetter ist hier extrem wechselhaft. Ständiger Wind, gepaart mit wechselndem Regen und Sonnenschein, sind hier normal.

Die Stadt liegt an der Magelanstrasse und wir sahen viele Frachtschiffe vorbei fahren.

Ein wenig ausserhalb von Punta Arenas haben wir ein Schiffsmuseum besucht.

Dort befindet sich ein Nachbau der Victoria. Sie war eines von fünf Schiffen der Armada von Ferdinand Magellan, der 1519 in See stach, um einen westlichen Seeweg zu den Molukken zu finden. Die Victoria war das erste Schiff mit dem die Welt umsegelt wurde.

Hier sieht man Nik am Steuer der Victoria. Unglaublich, wie abenteuerlich und einfach sie damals unterwegs waren.

Im Museum konnten wir auch einen Nachbau der HMS Beagle bestaunen. Auf der zweiten Reise der HMS Beagle war auch der junge Carles Darwin an Board. Diese Reise war für Carles Darwin ein Schlüsselerlebnis und bildete die Grundlage für seine Evolutionstheorie.

Um nach Feuerland zu gelangen, bestiegen wir in Punta Arena eine Fähre. Wir hatten Glück mit dem Wetter. Vor ein paar Tagen konnte die Fähre wegen starken Winden nicht fahren. Das kommt hier häufig vor und man muss manchmal mehrere Tage warten.
Nach einer ruhigen Überfahrt durch die Magellanstrasse kamen wir im Hafen von Porvenir an. Endlich waren wir am letzten Zipfel von Südamerika auf der Isla Tierra del Fuego (Feuerland) angekommen.

Der Fährhafen lag ein paar Kilometer außerhalb von Porvenir.

Vom Hafen fuhren wir zuerst in die kleine Ortschaft Porvenir und kauften dort Lebensmittel ein und organisierten genügend Trinkwasser. Die nächsten 150 Kilometer gab es keine Möglichkeiten zum Einkaufen und wir wussten nicht, ob wir Trinkwasser finden würden.

Auf dem Dorfplatz von Porvenir assen wir unser Mittagessen und machten uns bald darauf auf den Weg. Der Ort wurde nicht nur von Chilenen sondern auch von Kroaten gegründet, was uns erstaunt hat.

Die ersten 30 Kilometer hatten wir mit starkem Seitenwind zu kämpfen. Danach machte die Strasse eine grosse Kurve und wir wurden vom Rückenwind Richtung Osten geschoben.

Das Wetter und die Landschaft waren traumhaft schön.

Anhand der wenigen Bäume sah man eindrücklich, woher der Wind weht…..

So eine Gelegenheit für eine windgeschützte Pause liessen wir uns nicht entgehen. Und nein, das war kein Toi Toi 🤪

Nach etwa 80 km trafen wir auf eine neu gebaute Strasse, welche noch nicht für den Verkehr freigegeben war. Wir verliessen die parallel verlaufende Naturstrasse und waren sehr zufrieden mit dem neuen Belag. Gute Arbeit👍

Wegen den starken Winden ist das Zelten in dieser Gegend schwierig. Zum Glück gab es auf dieser Strecke mehrere Schutzhütten. Wir nutzten die weisse Hütte für unser Nachtlager, weil die schwarze Schutzhütte kleiner war und die Türe fehlte.
Auch am nächsten Morgen hatten wir Rückenwind und es ging flott vorwärts in Richtung argentinische Grenze. Hier im Süden von Patagonien studierten wir die Wetterprognosen nicht wegen Regen, sondern wegen den Winden. Für uns war es wichtig zu wissen, wie stark der Wind in den nächsten Tagen sein würde und aus welcher Richtung er kam. Das hat uns bisher einige mühsame Tage mit schwierigen Windverhältnissen erspart.

Die Gegend ist vorwiegend flach und sehr spärlich besiedelt.

Ab und zu fuhren wir an einzelnen Estancias mit vielen Pferden, Schafen oder Kühen vorbei.
Wir sahen viele Guanacos. Oft sind sie in kleinen Herden anzutreffen, vereinzelt aber auch alleine. Diese Tiere wurden früher von den Ureinwohnern Feuerlands, den Selk’nam, gejagt.

Vereinzelt wurde auch hier in Feuerland nach Öl gepumpt.

Nach einem langen Tag mit viel Rückenwind überquerten wir die argentinische Grenze und fuhren weiter nach Rio Grande. Weil die Wetterprognosen für den nächsten Tag wieder sehr starken Wind gemeldet hatten, legten wir hier einen Pausentag ein.

In ganz Argentinien sieht man häufig Bilder und Plakate mit dem Hinweis, dass die Inseln Malvinas zu Argentinien gehören. Der Falklandkrieg ist hier noch nicht vergessen und die Besitzansprüche auf die Falkland Inseln sind immer noch vorhanden.

Von Rio Grande aus waren es nur noch 205 Kilometer bis nach Ushuaia. Unser Ziel kam immer näher, und so machten wir uns bei leichtem Seitenwind auf den Weg nach Tolhuin.

Die Landschaft veränderte sich zunehmend. Hier gab es nun vermehrt bewaldetes Gebiet. Die Bäume waren mit Flechten behangen und von kleinem Wuchs.

Zwischendurch sahen wir vereinzelte Gewitterzellen am Horizont.

Die bewaldeten Flächen nahmen zu und einzelne Flüsse schlängelten sich durch die Landschaft.

Gegen Nachmittag erreichten wir Tolhuin. Das kleine Dorf gefiel uns recht gut. Am Himmel zeigten sich dunkle Wolken und gegen Abend hatte der Wetterbericht Regen gemeldet.

Bei einer Bäckerei durften wir im Keller unter der Backstube übernachten. Der Besitzer hat ein grosses Herz für Radreisende und bietet ihnen ein einfaches, geschütztes Nachtlager an. Herzlichen Dank für die grossartige Gastfreundschaft. Im neuen, modernen Café auf der anderen Strassenseite konnten wir uns bei Kaffee und Kuchen stärken.

In der Nacht hatte es geregnet. Am nächsten Morgen war der Himmel noch verhangen und es blies uns ein kalter Wind um die Ohren. Die Gegend wurde immer wilder.

Wir fuhren durch eine stark bewaldete Gegend. Vereinzelt erinnerten Schilder an Einwanderer aus dem Kosovo.

Nach der Mittagspause machte Ruth ihr wohlverdientes Schläfchen. Der Himmel hatte etwas aufgeklart und wir genossen die warmen Sonnenstrahlen.

Am frühen Nachmittag kamen wir an den Lago Escondido. Ein paar Leute waren am Fischen.

Gleich neben dem See gab es ein Restaurant, wo wir für Kaffee und Kuchen halt machten. Der Besitzer grillierte für eine Gruppe Touristen ein Lamm nach traditioneller Art. Spontan schenkte er uns auch eine Portion zum probieren. Nik war happy und durfte das feine Lamm ganz alleine essen.

Gestärkt ging es weiter am Lago Escondido entlang zu unserer Unterkunft.

Hier gab es vor einigen Jahren noch ein schickes Hotel mit einigen Ferienhäuschen idyllisch am See gelegen. Nun sind die meisten Häuser am verfallen. Für Radreisende eine willkommene Unterkunft. Wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag auf der Veranda und genossen die Sonne und die Ruhe an diesem schönen Ort.

Im einem der Häuschen konnten wir unser Innenzelt aufstellen. Es gab einen Ofen und aus dem Fenster hatten wir freie Sicht auf den See. Viele andere Radreisende hatten sich auf den Wänden verewigt.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Ushuaia. Die Strasse führte hinauf zum Paso Garibaldi.

Von dort hatten wir nochmals eine schöne Aussicht auf den Lago Escondido und unsere Unterkunft von letzter Nacht.

Auf der anderen Seite des Passes wurde die Landschaft immer farbiger.

In der Nähe von Ushuaia hat es auch ein kleines Skigebiet.

Obwohl es hier ja Frühling ist, erinnerten die Farben eher an Herbsttage bei uns in der Schweiz.

Ja und plötzlich war es soweit. Wir waren am Ende der Welt in Ushuaia angekommen.

Wir haben es geschafft. Es war ein bewegender Moment, nach elf Monaten das Ende der Welt zu erreichen. So viele Eindrücke und Begegnungen durften wir ihn dieser Zeit quer durch Südamerika erleben. 😃 Wir sind dankbar, das wir diese grossartige Reise ohne Unfall und Krankheit überstanden haben.

Ushuaia ist die südlichste Stadt Argentiniens und liegt in einer Bucht am Beagle Kanal. Weiter südlich liegt nur noch die Ortschaft Puerto Williams. Diese gehört aber schon wieder zu Chile.

Von Ushuaia starten viele Kreuzfahrten und Expeditionen in die Antarktis oder zu anderen Destinationen. Für solche Reisen muss man tief ins Portmonaie greifen und oftmals viele Monate im voraus buchen. Dementsprechend ist die Stadt sehr touristisch. Viele Hotels, Restaurants und Souvenir Shops sind über die ganze Stadt verteilt.

Viele Frachtschiffe, Segel und Fischerboote verkehren auf dem Beagle Kanal. Eine offizielle Fähre nach Puerto Williams gibt es nicht. Private Anbieter ermöglichen die Überfahrt und sind sehr teuer. Wir wollten uns hier in Ushuaia ein paar Tage ausruhen und unsere letzte Tour Richtung Santiago de Chile planen.

Auf der Karte sieht man die ungefähre Route, welche wir in den elf Monaten mit dem Velo zurück gelegt haben. Wir sind sehr froh, dass wir den Schritt zu dieser Reise gewagt haben. All die Menschen, denen wir begegnet sind, haben diese Reise zu etwas besonderem gemacht.
Herzlichen Dank an all denen, die uns spontan Wasser, Essen, Unterkunft und eine Mitfahrgelegenheit angeboten haben. Danke den unzählig vielen winkenden Händen, Daumen hoch und motivierenden Zurufe, die uns durch ganz Südamerika begleitet haben. Und natürlich auch danke den vielen aufmunternden Worten von zu Hause. Das war einfach grossartig.